Stu Larsen im Zoom in Frankfurt

In Concert: Stu Larsen

Volle Songwriter-Power im Frankfurter Zoom mit Stu Larsen und Jed Appleton.


Jüngst kündigte Mike Rosenberg alias Passenger bekanntlich seinen verfrühten – und hoffentlich nicht endgültigen – Ruhestand an. Da ist es beruhigend zu wissen, dass sein Weggefährt Stu Larsen die Singer/Songwriter-Flagge weiterhin hochhält. Nachdem er vor einigen Wochen mit „Resolute“ sein starkes zweites Album herausbrachte, ist Larsen nun bereits seit Anfang August auf weltweiter Tour. Am 10. Oktober darf sich dann auch Frankfurt über die Anwesenheit des selbst ernannten „Vagabonds“ freuen.

Bevor Stu Larsen jedoch die Bühne im Zoom betritt erscheint zunächst Tourbuddy Jed Appleton mit einer arg lädierten Westerngitarre vor dem Publikum. Der aus Tasmanien stammende Songwriter fühlt sich dabei in der Rolle des Anheizers sichtlich wohl und gibt in seinen dreißig Minuten alles. So versunken in seiner Musik ist der sympathische Appleton, dass er an einer Stelle sogar den Text seines eigenen Songs vergisst. Schwamm drüber! Belohnt wird der gute Auftritt durch einen CD-Kauf am Merchandise-Stand. Die Einnahmen gehen nach eigener Aussage direkt in eine neue Gitarre – das muss natürlich unterstützt werden.

Kurz darauf begibt sich dann auch Stu Larsen ins Scheinwerferlicht. Dabei kommt er genauso zottelbärtig daher wie vor einigen Jahren, als ich ihn zum ersten Mal live erleben konnte. Damals spielte er im Rahmen eines kleinen Folkfestivals ein 30-minütiges Set. Am Ende der Show unterhielten wir uns ein paar Minuten über seine Zeit mit Passenger und seine eigene Musik. Dabei fragte er mich, ob ich seinen Auftritt denn nicht eintönig fand, da er ja nur mit Akustikgitarre spielte.

Diese Thematik hat Larsen anscheinend auch für die jetzige Tour beschäftigt – und er löst das Problem sehr elegant. Denn nach einem gut einstündigen Soloteil, kehrt Kumpel Jed Appleton zurück auf die Bühne, im Gepäck das neuseeländische Duo Joseph & Maia. Gemeinsam spielt die neu geformte Band einige Songs, angefüttert mit wunderschönen Backing-Vocals. Dies verpasst dem Konzert einen hübschen Spannungsbogen und verhindert jeglichen Anflug von Eintönigkeit. Den Rest der Show bestreitet Larsen wieder alleine und macht das genauso gefühlvoll und souverän wie schon zuvor.

Talentierter Alleinunterhalter

Ohnehin ist Stu Larsen sehr talentiert darin trotz des Solo-Acts für abwechslungsreiche Unterhaltung zu sorgen. Einige Songs spielt er dank Bob-Dylan-Gedächtnis-Halterung mit Gitarre und Mundharmonika zusammen. Andere Songs leitet er mit lustigen oder interessanten Anekdoten ein. So zum Beispiel das Stück „Aeroplanes“, dass Larsen für ein Pärchen schrieb, dessen Geschichte ihn faszinierte. Sie wohnte in Deutschland, er in Schottland. Da sie an furchtbarer Flugangst litt, trafen sich die beiden regelmäßig an den unterschiedlichsten Orten auf dem europäischen Festland – er flog, sie nahm den Zug. Stu Larsen inspirierte diese Beziehung mit Hindernissen zu dem besagten Song. Die erste, mit dem Handy aufgenommene, Fassung schickte er sofort dem Freund zu, der sich auch umgehend zurückmeldete: Die Beziehung war bereits vor einiger Zeit in die Brüche gegangen.

Den ein oder anderen Witz („Leute glauben immer unter meinem Hut wären gar keine Haare“) brachte der Australier zwar auch schon bei seinem letzten Auftritt. Doch das lässt sich vermutlich ab einer bestimmten Anzahl von Auftritten nicht mehr verhindern. Insgesamt bekommt das Publikum an diesem Dienstagabend genau das, was es sich erhofft hat: ein ausgezeichnetes Konzert eines enorm begabten Singer/Songwriters. Dennoch wäre es einmal spannend, Larsen mitsamt kompletter Bandbesetzung zu erleben. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Denn im Gegensatz zu Passenger liegt der Ruhestand für Stu Larsen noch in weiter, weiter Ferne. Ein Glück.

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