Mogli in der Brotfabrik in Frankfurt

In Concert: Mogli

Fetter Sound in reduziertem Setting. Die Frankfurter Musikerin Mogli macht in ihrer Heimatstadt den Auftakt für ihre Deutschlandtournee. 


Nein, heute geht’s nicht in den Dschungel, sondern in die Frankfurter Brotfabrik. Was es dort gibt? Na, den Beweis, dass man für gute, handgemachte Songwriter-Musik nicht notwendigerweise die Landesgrenze überschreiten muss. Denn in der Brotfabrik startet Selima Taibi – alias „Mogli“ – am 29.10. ihre erste große Deutschlandtournee. Und bevor irgendwer fragt: Der Spitzname kommt aus ihrer Kindheit, in der sie mit Dreadlocks und braungebrannter Haut zwangsweise an das Findelkind aus dem Dschungelbuch erinnerte. Hätten wir das auch geklärt.

Was man für das Konzert noch wissen sollte: Im vergangenen Jahr begab sich die gebürtige Frankfurterin mit ihrem Freund auf eine Reise quer durch Nord- und Mittelamerika. Das Ergebnis des Roadtrips war der Film „Expedition Happiness“ mit dem ihr Freund (Felix Starck) dieses Jahr einen Überraschungserfolg feierte. Moglis zweites Album entstand während der Reise und stellt somit logischerweise den Soundtrack des Films dar. Der Erfolg des Kinofilms ging natürlich nicht an „Wanderer“ vorbei, sodass sich auch Mogli dieser Tage großer Beliebtheit erfreuen darf.

„Wanderer“ – sonst nix!

Entsprechend ist die Brotfabrik am Sonntagabend restlos ausverkauft. Den Auftakt macht die Britin „Fenne Lily“, die von Mogli fast mehr begeistert scheint als von ihrer eigenen Musik. Dabei hat sie eigentlich überhaupt keinen Grund zur falschen Bescheidenheit. Ihre melancholischen, langsamen Songs trägt sie mit selbstbewusster Zerbrechlichkeit (klingt komisch, ist aber so) vor. Selbst der einzige „happy Song“ des Vorprogramms kommt im entschleunigten Rhythmus daher. Ein passendes Aufwärmprogramm für die große Show, in mehrerlei Hinsicht – dazu aber später mehr.

Nachdem alle Songs gespielt und alle Tränen vergossen sind, betritt Mogli unter Applaus die Bühne. Im Gepäck einen Gitarristen/Keyboarder und den Schlagzeuger. Mogli selbst ist mit dem Instrument bewaffnet, das sie mit Abstand am besten beherrscht: ihrer Stimme. Das reduzierte Set-Up erzeugt überraschenderweise einen sehr fetten Sound, was hauptsächlich am Schlagzeuger liegt. Dieser streut über einen weiteren Controller regelmäßig zusätzliche Samples und Effekte mit ein, sodass in fast jedem Song mehr als die anwesenden Instrumente erklingen.

Mogli gibt sich dabei in ihrer Heimatstadt als fabelhafte Gastgeberin, trägt ihre Songs fehlerfrei vor und erzählt immer wieder kleine Anekdoten zu den einzelnen Stücken. Gegen Ende setzt sie sich auch mal ans Keyboard oder holt sich ihren größten Fan – Vorband Fenne Lily – mit auf die Bühne. Dieses Duett sowie ein Cover der Band „First Aid Kit“ bleiben jedoch die musikalischen Ausreißer des Abends. Ansonsten spielt Mogli das komplette Album „Wanderer“ einmal runter. Die Show ist somit nach etwas mehr als einer Stunde und einer Zugabe auch schon wieder vorbei.

Dichte Atmosphäre und gemischte Gefühle

Der komplette Auftritt lässt mich daher insgesamt gesehen etwas zwie­ge­spal­ten zurück. Einerseits schafft es das Trio, „Wanderer“ in stimmiger Atmosphäre und größtenteils tollem Sound wiederzugeben – wenn man mal von dem teilweise unfassbar brummenden Gitarrenverstärker absieht.

Andererseits frage ich mich, wieso sich Mogli lediglich auf ihr zweites Album konzentriert und keinen einzigen Song des – ebenfalls sehr starken – Debütwerks spielt. War es der Wunsch den Fokus stärker auf die Symbiose zwischen Film und Album zu legen? Dann hätte man dies vielleicht auch in der Präsentation stärker zeigen müssen, beispielsweise über eine Leinwand mit eingeblendeten Impressionen der Reise – passend zu jedem Song. Rein musikalisch funktioniert „Wanderer“ durch seinen einheitlichen Sound & Tempo als Soundtrack ganz ausgezeichnet. Als alleiniger Inhalt eines Konzerts läuft die Vorstellung jedoch leicht Gefahr, etwas eintönig zu werden. Dies wird durch den extrem homogenen Auftritt der Vorband noch verstärkt.

Insgesamt ist das natürlich Meckern auf hohem Niveau – das Konzert ist sehr unterhaltsam, Musik und Musiker von hoher Qualität. Der enorme Andrang am Merchandise Tisch zum Ende des Abends (Mogli kommt aus dem Autogrammeschreiben gar nicht mehr raus) zeugt ja nur davon, dass die Erwartungen des Publikums erfüllt worden sind. Dennoch – oder gerade deswegen – wünscht man einer talentierten Musikerin wie Mogli natürlich eine steile Karriere – insbesondere wenn man an andere „kommerzielle“ Deutsche Radiomusik denkt. Ein etwas abwechslungsreicheres Programm könnte den Weg zum Ziel deutlich vereinfachen.

 

 

 

 

 

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