Fleet Foxes Konzert in Berlin Columbiahalle

In Concert: Fleet Foxes

Die Fleet Foxes bringen nicht nur ihr neues Album nach Berlin, sondern auch eine Wagenladung Instrumente.


Huch, da ist das Jahr schon fast wieder vorbei und ich habe immer noch nichts über das Fleet Foxes Konzert vor knapp zwei Monaten in Berlin geschrieben. Das muss schnell korrigiert werden, nächste Woche gibt’s nämlich schon meine persönlichen Highlights 2017.

Die Fleet Foxes waren für mich ja immer die ominösen Männer des amerikanischen Indie-Folks. Die Musik klang, als wäre sie irgendwie schon immer da gewesen, umso schwerer konnte ich mir die Gesichter zu diesen Musikern vorstellen. Keine Frage also, dass ich mich am 13.11.2017 nach Berlin aufmachte, um die Band live und in Farbe zu sehen.

Aber eins nach dem anderen. Erst mal betritt mit Nick Hakim der Supportact des Abends die Bühne der Columbiahalle. Hakim ist es offensichtlich sehr wichtig, dass man sich seinen Namen merken kann und so hängt dieser in meterhohen Neonbuchstaben über der Band. Vielleicht hat der Gute aber auch einfach Angst, dass der völlig überdrehte Bass den Zuhörern jegliche Erinnerung an ihn wegbläst. Naja, meins ist der New Yorker Musiker auf jeden Fall nicht.

Doch ich bin ja auch aus einem anderen Grund in Berlin. Nämlich um endlich herauszufinden, wie die Fleet Foxes denn nun aussehen. Das Ergebnis ist definitiv ernüchternd: Die Jungs aus Seattle kommen auch nicht anders daher als die Hipster des Prenzlauer Bergs. Na gut, Aussehen ist nicht alles – in Wirklichkeit bin ich ja ohnehin wegen der Musik hier. Und die hat es in sich.

„Hat jemand meine Säge gesehen?“

Auf ihren Alben experimentieren die Fleet Foxes bekanntlich gerne mal mit ausgefallenen Instrumenten und zeichnen sich auch sonst durch oft komplexe Klangwelten aus. Da stellt sich natürlich die Frage, wie das beim Liveauftritt eigentlich funktionieren soll. Die Antwort ergibt sich bereits nach den ersten paar Liedern: Jedes Bandmitglied spielt einfach gefühlt 17 Instrumente. Fast nach jedem Song wird das Equipment getauscht, einer der Herren spielt abwechselnd Gitarre, Posaune, Tube, Querflöte oder Bass und greift in einem Stück gar zur auf dem Geigenbogen gespielten Säge.

Über den Abend zupfen, tröten und singen sich die unfassbar talentierten Musiker rund um Robin Pecknold (der Typ mit der „Fleet Foxes Stimme“) einmal quer durch die Diskografie der Band. Dabei erkennt man die bekanntesten Stücke sehr schön an der Anzahl der unmittelbar aufleuchtenden Smartphone-Bildschirme im Publikum. Auch die Songs des neuen Albums „Crack-Up“ – zu dem ich aufgrund seiner Sperrigkeit noch nicht so richtig Zugang gefunden habe – fügen sich schön in den Rest der Musik ein. Dennoch, die wirklich großen Emotionen kommen bei Hits wie „White Winter Hymnal“ oder „Blue Ridge Mountains“ auf.

Den Großteil der Stücke trägt die Band gemeinsam vor, an ausgewählten Stellen gibt sich jedoch Robin Pecknold nur mit Gitarre bewaffnet die Ehre. Einer dieser Songs ist das großartige „Oliver James“, das bereits die erste Zugabe darstellt. Kurz darauf haut die komplette Band noch schnell den Knaller „Helplessness Blues“ raus und beendet damit ein geniales Konzert.

Die Erkenntnisse des Abends? Auch gewöhnlich aussehende Musiker können außergewöhnliche Musik machen. Und: Die Fleet Foxes sind doch live tatsächlich so unfassbar gut, wie sie auf ihren Alben klingen. Apropos Alben, vielleicht sollte ich „Crack-Up“ doch noch mal eine Chance geben …

Fleet Foxes Konzert in Berlin Columbiahalle

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