Konzert im Yachtklub Frankfurt mit Daniel Romano

In Concert: Daniel Romano

Daniel Romano & Band bringen den Frankfurter Yachtklub zum Glühen und plaudern anschließend entspannt mit den Fans.


Ganz schön was los letzte Woche. Stu Larsen war kaum aus der Stadt, da schlägt schon Daniel Romano seine Zelte in Frankfurt auf. Um den Auftritt nicht zu verpassen, musste man allerdings ziemlich aufpassen. Keine Werbung, keine Karten auf einschlägigen Ticketwebseiten. Lediglich ein Eintrag auf der Homepage des Veranstalters sowie ein Facebook-Event informierten über das Gastspiel des Kanadiers am 11. Oktober.

Dabei ist Daniel Romano doch einer der spannendsten Musiker, die es aktuell gibt. Nachdem seine Karriere eigentlich im Punk begann, wandte sich das Multitalent schon bald der Countrymusik zu. Nach einer Reihe sehr guter Platten gipfelte dies schließlich im absolut genialen „If I’ve Only One Time Askin’“, das 2015 für mich eins der besten Countryalben war. Anschließend zeigte sich der Künstler dezent gelangweilt von seiner eigenen Kunst und brachte mit „Mosey“ eine Hommage an die 60er Jahre heraus, nur um mit „Modern Pressure“ einen Abstecher in die Welt des Rock zu machen.

Nun tritt der musikalische Tausendsassa also im Yachtklub auf, der in Wahrheit kein Klub, sondern ein Boot am Ufer des Mains ist. Entsprechend der minimalistischen Bewerbung quetschen sich lediglich eine Handvoll von Zuschauern vor die winzige Bühne. Die Hälfte davon scheint außerdem nicht mal für den von weit her angereisten Kanadier dort zu sein, sondern vielmehr für die solide Frankfurter Vorband Kenneth Minor.

Volles Schlagzeug voraus

Romano selbst juckt das alles offenbar recht herzlich – das Konzert eröffnet er mit einem energischen Rockstar-Sprung, der sich in einem fulminanten Opener entlädt. Doch so ausgezeichnet die Band (Drums, Keys, Bass und Romano an der E-Gitarre) anschließend auch spielt, so sehr haben sie mit der schwierigen Akustik des länglichen Raums zu kämpfen. Dabei hilft es nicht, dass sich der Schlagzeuger anscheinend vorgenommen hat, das Boot eigenhändig zu versenken. Der Gute ballert in seine Becken als gäbe es kein Morgen und sorgt so dafür, dass die Bemühungen seiner Bandkollegen nur schwer wahrnehmbar sind. Nicht falsch verstehen, ich bin ein riesiger Fan der Aussage „Musik leise zu hören, ist wie ein Buch mit einem geschlossenen Auge zu lesen“. Aber es wäre ja auch schön, wenn man von der eigentlichen Musik tatsächlich etwas hören würde. Das ist hier leider nur bedingt der Fall.

Romanos E-Gitarre schwirrt noch am lautesten über dem Sound, im Hintergrund vernimmt man seine Vocals sowie den Bass. Die Dame am Synthesizer könnte zwischendurch auch eine Cola trinken gehen können, ihr wunderbares (wenn man es denn mal hört) Spiel geht größtenteils völlig im Mix unter. Die Band scheint das durchaus zu merken, fühlt sich denn die Keyboarderin am Ende dazu gezwungen den Schlagzeuger als besten Instrumentalisten der Band zu loben, „auch wenn der Sound bei euch vielleicht nicht so richtig ankommt“.

Auch am Soundtechniker geht die Problematik natürlich nicht vorbei. Immer wieder mischt er sich unters Publikum, um die Akustik so gut wie möglich anzupassen. Aufgrund der Größe des Raumes – das Schlagzeug ist gar nicht erst verstärkt – sind seine Möglichkeiten jedoch begrenzt. Dennoch verbessert sich der Sound zum Ende des Konzerts (oder sind die Ohren einfach schon taub?), was sicherlich auch daran liegt, dass die Band immer wieder ein, zwei leisere Stücke einstreut. Kurz nach 22:00 Uhr ist die Show dann vorbei, man hat wohl Angst vor dem Zorn der Anwohner am Main.

Zeit für die Fans

Das wahre Highlight des Abends kommt jedoch erst nach dem letzten Akkord des Abends, denn die überaus nette und nahbare Band nimmt sich im Anschluss des Konzerts viel Zeit für die Fans. Insbesondere Daniel Romano selbst erweist sich dabei als sympathischer Gesprächspartner, der von Deutschland vor allem aufgrund seiner Liebe zu Klaus Kinski begeistert ist.

Logischerweise dreht sich das Gespräch aber hauptsächlich um Musik und weniger um deutsche Filmstars. Die beste Rockband der Welt? Natürlich die Stones. Blues? Hört er zwar, jedoch nur in begrenztem Umfang. Die einzig wahre Art Musik zu genießen? Auf Vinyl, klar. Interessant ist dabei vor allem seine Haltung zur Countrymusik, die er ja selbst um einige Alben bereichert hat. Hier scheint er eher den Klassikern (Waylon Jennings & Co.) zugetan zu sein als aktueller Bands. Moderne Acts wie die Avett Brothers kennt er zwar, macht jedoch nicht den interessiertesten Eindruck bei deren Erwähnung. Ohnehin ist er der Meinung, dass es im Moment zu viel neue Countrymusik gibt, von der der Großteil obendrein „irgendwie kitschig“ ist.

Auf Nachfrage plaudert der geduldige Kanadier auch gerne über seine eigene Musik. So erklärt er beispielsweise, dass er über die vielen Stilwechsel seiner Alben nicht wirklich nachdenkt. Das Ganze passiert eben einfach. Im selben Atemzug verrät Romano dabei, dass er ein weiteres Countryalbum bereits komplett fertig hat. Die Veröffentlichung zieht sich jedoch aktuell hin, aufgrund seines mangelnden Interesses am Vergangenen. „Bereits abgeschlossene Projekte langweilen mich“, gibt der sich ewig entwickelnde Musiker zu.

Nach gut einer Stunde ausschweifenden Austauschs gibt man sich die Hand und bedankt sich für einen schönen Abend. Jegliche Kommentare zum Sound verkneife ich mir selbstverständlich. Insgeheim hoffe ich aber trotzdem, dass Daniel Romano beim nächsten Besuch in Frankfurt in einer ihm würdigeren Location einkehrt. Verdient hätte es der talentierte Ausnahmemusiker auf jeden Fall.

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