The National Review

The National – Sleep Well Beast

Die Jungs von The National sind offensichtlich Fans von Bon Iver. SOUNDTHEKE feiert das mit Scotch und Schokolade.


The National sind eine dieser Bands in deren Musik ich komplett versinken kann. Ob auf dem Sofa, im Zug mit hunderten Leuten oder am Strand unter der Sonne – sobald der tiefe Bariton von Matt Berninger und dieses typisch dichte Soundkonstrukt erklingt bin ich drinnen. So ist es dann auch passend, dass das neue Album der Band fast eine ganze Stunde lang ist. Genug Zeit, um tief in die Musik einzutauchen.

Vier Jahre haben die Burschen aus Ohio gebraucht, um ihr mittlerweile siebtes Werk auf die Strecke zu bringen. Für jede Band genug Zeit, sich einmal komplett umzukrempeln. Doch jegliche Sorgen sind völlig unangebracht. „Sleep Well Beast“ ist genau so melancholisch, einnehmend und krachend, wie man das von The National kennt. Naja, zumindest fast. Denn ein paar Ausreißer und Überraschungen hält das neue Album dann doch bereit.

Die ersten beiden Stücke sind gewohnte Kost, doch spätestens bei „Walk It Back“ spitzt der Hörer die Ohren. Elektronische Akzente mischen sich zu den bekannten Tönen, der Mittelteil des Songs besteht aus einem gesprochenen Zitat eines New York Times Magazine Artikels. Diese – ich nenn’ sie mal „experimentellen“ – Elemente werden über das komplette Album teils mehr und teils weniger dezent eingesetzt, fügen sich aber fast immer sehr gut in die Songs ein. Hier und da musste ich dennoch unvermittelt an Bon Ivers letztes Album denken. Da wundert es auch nicht weiter, dass im schön aufgemachten Booklet unter der Riege an Gastmusikern ein gewisser Justin Vernon (bekanntermaßen der Kopf hinter Bon Iver) aufgelistet ist.

Generell schaffen es The National auf „Sleep Well Beast“ sehr schön ihren bekannten Stil gezielt zu erweitern. Es gibt klassische Stücke wie „Born To Beg“ oder „Carin At The Liquor Store“, die sich mit ihrem ¾-Takt nahtlos in den bestehenden Katalog der Band einfügen. Auf der anderen Seite überraschen manche Songs mit frischen Elementen wie Chören oder sehr präsent gespielten Gitarrenriffs. „The System Only Dreams in Total Darkness“ kommt sogar mit einem waschechten Gitarrensolo daher – wer hätte das gedacht! Der einzige Song mit dem ich irgendwie noch so gar nicht klarkomme ist das völlig irre „Turtleneck“, das mit schrillen Gitarren und Berningers Stimme, die sich geradezu überschlägt, völlig aus dem Rahmen fällt.

„So blame it on me, I really don’t care. / It’s a forgone conclusion. / I’m already seeing stars in the air. / It’s a forgone conclusion.“ – Lyrics, die hängen blieben

Alles in allem ist „Sleep Well Beast“ ein extrem spannendes Album geworden, dessen volle Wirkung sich bei mir vermutlich erst in den nächsten Wochen entfalten wird. Die Dessner Brüder – die das Album übrigens größtenteils in Eigenregie produziert haben – zaubern wundervolle Klanglandschaften die von Matt Berninger mit diesen typisch melancholischen Lyrics aufgefüllt werden. Unmittelbare Ohrwürmer wie ein „Sea Of Love“ oder ein „Fake Empire“ fehlen zwar, doch das tut der Begeisterung keinen Abbruch. So verliere ich mich auch bei „Sleep Well Beast“ wieder völlig in der Musik und staune nicht schlecht, als nach einem gefühlten Augenblick bereits die letzten Töne des Albums verklingen. Ein Hoch auf den Repeat-Button!

DER DRINK ZUM SOUND

Zum nachdenklichen Grübelsound von The National trinke ich am liebsten einen Scotch. Diesmal entscheide ich mich für den „Balvenie Doublewood 12 Years“ – einen meiner absoluten Lieblingswhiskys. Das spannende an diesem Scotch ist, dass er zunächst ca. 11 ½ Jahre in normalen Eichenfässern und anschließend noch mal ein halbes Jahr in Sherryfässern gelagert wird, was dem Whisky eine etwas süßere Note gibt. Und da „Sleep Well Beast“ ja auch dezent aus gewohnten Mustern ausbricht, versuche ich das ebenfalls und gönne mir noch ein paar Stücke Bitterschokolade (Ich empfehle Kakaogehalt 70% aufwärts) zu dem Scotch. Klingt komisch, passt aber sehr gut zusammen! Das Ergebnis: Der Whisky ist genauso überraschend schnell leer wie das Album zu Ende ist. Aber in der Flasche ist ja noch genug drinnen. Glück gehabt.

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