Passenger Review

Passenger – The Boy Who Cried Wolf

Anfang trifft Ende: Den Auftakt auf SOUNDTHEKE macht das vorläufig letzte Album vom Singer-Songwriter Passenger aka Mike Rosenberg. Dazu gibt’s einen eisgekühlten Cider.


Es gibt ja ganz verschiedene Arten von Musikern. Zum Beispiel Burschen wie Bon Iver, die sich mit jedem Album gefühlt neu erfinden. Dann gibt es Bands wie Mumford & Sons, die Veränderung eher evolutionär als revolutionär wahrnehmen. Und dann sind da noch so Typen wie Mike Rosenberg. Der Brite – bekannt als Passenger – macht eigentlich seit seinem ersten Album vor 10 Jahren immer nur dasselbe. Feines Fingerpicking an der Akustikgitarre, poetische Lyrics, einprägsamer Gesang. Sicher, textlich und an seinen Instrumenten (Gitarre & Stimme) hat sich Rosenberg über die Jahre weiterentwickelt und verbessert aber dennoch: Hat man einen Song gehört, kennt man gefühlt alle. Ob das jetzt schlimm oder gar verwerflich ist, muss jeder selbst wissen. Bei mir landet jede seiner Platten früher oder später trotzdem in der ständigen Musikrotation.

So auch sein neustes Album „The Boy Who Cried Wolf“, das dieser Schelm von Rosenberg doch einfach völlig überraschend – und wie auch „Whispers II“ in Eigenregie veröffentlicht – aus dem blauen Himmel purzeln lässt. Gemeinsam mit der Ankündigung, sich erst mal für eine Weile zurückzuziehen. Am Ende ist „The Boy Who Cried Wolf“ gar ein Abschiedsgeschenk? Wollen wir’s nicht hoffen.

Die ersten Töne erklingen und sofort ist klar, dass man sich in einem Passenger Album befindet. „Here’s a simple song / won’t stop the rain from coming down / or your heart from breaking“. Dazu ein paar schöne Noten auf der Akustikklampfe gezupft – mehr braucht es gar nicht. Wie auf seinen letzten Album und auch der vergangenen Tour wird Rosenberg wieder von seiner großartigen Band unterstützt. Und wie gewohnt gibt es natürlich auch wieder einige Solostücke.

Das klingt alles so, wie es bei Passenger eben immer klingt: Herzerwärmend, entspannt und einfach schön. Dennoch fällt das Album zu seinem Vorgänger ein wenig ab. Auf „Young As The Morning Old As The Sea“ lief Rosenberg in meinen Ohren zu Hochtouren auf – jedes Stück war ein echter Kracher. Auf „The Boy Who Cried Wolf“ werde ich das Gefühl nicht los, dass hier etwas zu arg nach Vorschrift musiziert wird. Zeilen wie „yesterday is gone / and tomorrow is not here / the days they are long but how they quickly disappear“ hat man so oder ähnlich auch irgendwie schon hundert Mal gehört. Der Titelsong kommt mit einer brillanten Idee daher (die Geschichte des Jungen der Wolf schrie aus eben dessen Perspektive) hätte aber zumindest textlich noch viel mehr Potential gehabt. Die Musik ist auf gewohnt hohem Niveau, auf einprägsame Riffs oder den Einsatz überraschender Instrumente (man denke an die Bläser aus „A Thousand Matches“ auf „Whispers II“) wartet man jedoch vergebens.

Am Ende macht Passenger auf „The Boy Who Cried Wolf“ das was er kann. Das Ergebnis hört sich dann auch wie immer sehr gut an aber irgendwie auch ein bisschen routiniert und wenig überraschend. Damit ist dieses vorerst letzte Album zwar ein würdiger Abschluss einer zehnjährigen Ära, bleibt jedoch hoffentlich nicht der letzte Wurf von Passenger. Denn eins ist ganz klar: Wenn sich Mike Rosenberg entscheidet seine Gitarre wieder in die Hand zu nehmen, dann werde ich da sein und gespannt zuhören. Never change a winning team.

DER DRINK ZUM SOUND

Als alter Straßenmusiker war Rosenberg viele Jahre in Bars und Pubs zuhause. Deswegen fällt die Wahl für „The Boy Who Cried Wolf“ auch auf eins meiner Lieblingsgetränke von der Insel: eisgekühlter Cider. Der britische Apfelwein ist in Deutschland zwar nicht sonderlich verbreitet (gerade die Hessen trinken ja eher „Ebbelwoi“), die bekannten Marken bekommt man aber dennoch in größeren Supermärkten. Dort stößt man am ehesten auf Strongbow oder Bulmers – letzterer schmeckt mir deutlich besser. In der Regel greife ich zwar immer zum irischen „Original“, doch auch die Pear-Variante kann sich durchaus trinken lassen. Diese hat genauso viel Sprit (4,5%) wie die klassische Version, ist aber durch den Birnenanteil etwas süßer und damit gerade für den Sommer perfekt geeignet.

Schreibe einen Kommentar